Moose als Bioindikatoren
Moose nehmen Wasser, Nährstoffe und darin gelöste Schadstoffe überwiegend direkt aus der Luft und dem Niederschlag auf. Da sie keine Kutikula besitzen und keinen ausgeprägten Selektionsmechanismus für Schwermetalle haben, akkumulieren viele Moosarten Schwermetalle proportional zur atmosphärischen Belastung über längere Zeiträume. Diese Eigenschaft macht sie zu geeigneten passiven Sammlern (Akkumulationsindikatoren) für die Bestimmung von Schwermetalleinträgen aus der Atmosphäre.
Das Umweltbundesamt (UBA) beteiligt sich am Europäischen Moos-Biomonitoring-Programm und veröffentlicht regelmäßig Ergebnisse der deutschen Erhebungen.
Das Europäische Moos-Biomonitoring-Programm
Das Europäische Moos-Biomonitoring-Programm (engl. European Moss Survey) wird im Rahmen der Internationalen Kooperativen Programme (ICP Vegetation) unter der UN-Luftreinhaltekonvention LRTAP koordiniert. Seit 1990 werden in regelmäßigen Abständen von fünf Jahren Moosproben aus ganz Europa gesammelt und auf ihren Schwermetallgehalt sowie, in neueren Erhebungen, auf persistente organische Schadstoffe (POPs) und Stickstoff analysiert.
Standardarten
Als Standardarten werden meist verwendet:
- Pleurozium schreberi (Rotstängelmoos)
- Hylocomium splendens (Etagenmoos)
- Hypnum cupressiforme (Zypressenartiges Schlafmoos)
- Scleropodium purum (Reines Glanzblattmoos)
Diese Arten kommen in weiten Teilen Europas vor und eignen sich daher für großräumige Vergleiche. Die Proben werden nach standardisierter Methodik gesammelt, aufbereitet und chemisch analysiert.
Analysierte Schadstoffe
Schwermetalle
Analysiert werden in der Regel: Blei (Pb), Cadmium (Cd), Chrom (Cr), Kupfer (Cu), Nickel (Ni), Zink (Zn), Quecksilber (Hg), Arsen (As) und Vanadium (V). Die Ergebnisse zeigen räumliche Muster der atmosphärischen Deposition und ermöglichen Trendanalysen über mehrere Jahrzehnte.
Stickstoff
Seit der Erhebung 2005/2006 wird auch der Stickstoffgehalt in Moosen bestimmt. Erhöhte Stickstoffwerte in Moosen stehen im Zusammenhang mit Stickstoffeinträgen aus Landwirtschaft und Verkehr und liefern Informationen über Muster der Stickstoffdeposition.
Transplantationsexperimente (aktives Biomonitoring)
Neben dem passiven Biomonitoring (Sammlung von natürlich vorkommenden Moosen) wird auch aktives Biomonitoring eingesetzt: Dabei werden gereinigte Moosproben in Käfigen oder Beuteln an Standorten ohne natürliches Moosvorkommen (z. B. Stadtmitte, Industrienähe) für definierte Zeiträume exponiert und anschließend analysiert. Diese Methode ermöglicht Vergleiche zwischen Standorten, die nicht natürlicherweise von Moosen besiedelt werden.
Ergebnisveröffentlichungen: Die Ergebnisse der deutschen Moos-Biomonitoring-Erhebungen werden vom Umweltbundesamt in Fachberichten und auf der UBA-Internetseite veröffentlicht.