Flechten als Bioindikatoren für Luftqualität

Xanthoria parietina, die gelbe Wandflechte, Indikator für Stickstoffüberschuss
Xanthoria parietina – Gelbe Wandflechte, Indikator für Stickstoffbelastung – Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Flechten als Bioindikatoren

Flechten sind Symbionten aus Pilzen und Grün- oder Blaualgen. Da sie keine Wurzeln besitzen und Wasser sowie Nährstoffe direkt aus der Luft und dem Niederschlag aufnehmen, reagieren sie besonders empfindlich auf Luftschadstoffe. Veränderungen in der Artenzusammensetzung oder im Verschwinden empfindlicher Arten gelten als aussagekräftige Indikatoren für die Luftbelastung.

Die Methode der Lichenindikation (Flechtenkartierung zur Luftqualitätsbewertung) wird in Deutschland in der VDI-Richtlinie 3957 Blatt 13 beschrieben. Das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichen Informationen zu Biomonitoring-Programmen in Deutschland.

Schadstoffe und ihre Wirkung auf Flechten

Schwefeldioxid (SO₂)

Schwefeldioxid war bis in die 1980er Jahre in Deutschland ein bedeutender Luftschadstoff, vor allem in der Nähe von Kohlekraftwerken und Industriezentren. Empfindliche Flechtenarten verschwanden aus großen Bereichen der Bundesrepublik. Seitdem die SO₂-Emissionen durch gesetzliche Maßnahmen erheblich reduziert wurden, kehren empfindliche Arten in viele Gebiete zurück – ein Hinweis auf eine verbesserte Luftqualität.

Stickstoffverbindungen (NOₓ, NH₃)

Stickstoffverbindungen aus Verkehr und Landwirtschaft beeinflussen die Flechtenzusammensetzung auf andere Weise: Stickstofftolerante oder stickstoffliebende Arten wie Xanthoria parietina nehmen zu, während oligotrophe Arten zurückgehen. Diese Verschiebung in der Artenzusammensetzung dient als Indikator für den Grad der Stickstoffbelastung.

Schwermetalle

Flechten akkumulieren Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Zink aus der Luft. Die Analyse von Flechtenproben gibt Auskunft über die räumliche Verteilung von Schwermetalleinträgen. Diese Methode wird auch im Europäischen Moos-Monitoring-Programm eingesetzt.

Lobaria pulmonaria – Lungenflechte, empfindlicher Indikator für reine Luft
Lobaria pulmonaria (Lungenflechte) – empfindlicher Indikator für saubere Luft – Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Empfindliche und tolerante Arten

Flechtenarten unterscheiden sich stark in ihrer Toleranz gegenüber Luftschadstoffen:

Empfindliche Arten wie Lobaria pulmonaria gelten als charakteristisch für ungestörte, luftsaubere Wälder. Ihr Vorkommen gilt als wichtiger Indikator für alte Waldbestände mit guter Luftqualität und wird in der Waldzustandserfassung der Länder berücksichtigt.

Flechtenkartierung als Methode

Bei der Flechtenkartierung werden Flechten auf Rinden von Bäumen (epiphytische Flechten) nach standardisiertem Vorgehen erfasst. Je nach Methode werden Artenvielfalt, Deckungsgrade und das Auftreten bestimmter Zeigerarten bewertet. Ergebnisse werden kartographisch dargestellt und ermöglichen Aussagen über die räumliche Verteilung der Luftqualität.

Normative Grundlage: Die VDI-Richtlinie 3957 Blatt 13 beschreibt das standardisierte Verfahren zur Flechtenkartierung als Methode der Bioindikation. Diese ist beim VDI erhältlich.

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