Wuchsformen von Flechten
Flechten wachsen in drei grundlegenden Wuchsformen, die bereits bei der Feldbestimmung hilfreich sind:
- Krustenflechten: eng der Unterlage anliegend, nicht ablösbar; z. B. Lecanora-Arten auf Rinde und Gestein
- Blattflechten (Laub- oder Foliose-Flechten): lappenartig, lösbar; z. B. Parmelia sulcata, Lobaria pulmonaria
- Strauchflechten (Fruticose-Flechten): strauch- oder bartartig; z. B. Usnea-Arten, Evernia prunastri, Cladonia-Arten
Häufige epiphytische Flechtenarten
Epiphytische Flechten wachsen auf Baumrinde und sind die Zielgruppe der Lichenindikation für Luftqualität. Zu den häufigsten Arten in deutschen Wäldern zählen:
Parmelia sulcata
Parmelia sulcata (Gefurchte Schüsselflechte) ist eine der häufigsten Blattflechten an Borken in Deutschland. Sie ist mittel empfindlich gegenüber Luftschadstoffen und eignet sich für die Abgrenzung von belasteten und weniger belasteten Bereichen.
Evernia prunastri
Evernia prunastri (Eichenmoos) ist eine häufige Strauchflechte mit lappenartigem Thallus. Sie ist mäßig empfindlich gegenüber Schwefeldioxid und toleriert moderate Stickstoffbelastung. Evernia prunastri wird häufig in Transplantationsexperimenten eingesetzt, da sie sich gut in Käfigen oder Netzen fixieren lässt.
Xanthoria parietina
Xanthoria parietina (Gelbe Wandflechte) ist an ihrer leuchtend orangen bis gelben Farbe leicht zu erkennen. Sie ist stickstofftolerant und tritt daher in der Nähe von Vogelnestern, landwirtschaftlichen Gebäuden und stark stickstoffbelasteten Standorten auf. Ihr Auftreten kann ein Indikator für Stickstoffüberschuss sein.
Häufige Moosarten im Biomonitoring
Pleurozium schreberi
Pleurozium schreberi (Rotstängelmoos) ist in mesisch-sauren Nadelwäldern, besonders in Kiefern- und Fichtenwäldern, flächig verbreitet. Es ist eine der Standardarten des Europäischen Moos-Biomonitoring-Programms. Erkennungsmerkmale: flache, roter Stängel, regelmäßig einseitig beblätterte Zweige.
Hypnum cupressiforme
Hypnum cupressiforme (Zypressenartiges Schlafmoos) ist ein äußerst variables und weit verbreitetes Moos, das auf Rinde, Gestein und Boden vorkommt. Es gehört zu den Standardarten im europäischen Moos-Monitoring.
Bestimmungsmerkmale im Gelände
Zur Bestimmung im Gelände werden benötigt: eine Lupe (10x), ein Bestimmungsschlüssel (z. B. Wirth et al. für Flechten) und ein kleines Messer zum vorsichtigen Abheben von Proben. Die wichtigsten Merkmale sind:
- Wuchsform (Kruste, Blatt, Strauch)
- Farbe des Thallus (grau, grün, orange, braun)
- Oberfläche (matt, glänzend, bereift, netzförmig gefurcht)
- Fruchtköper (Apothecien, Peritheziien)
- Unterseite und Haftorgane (Rhizinen)
Weiterführende Informationen: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bietet Informationen zu Gefäßpflanzen, Moosen und Flechten in Deutschland, auch im Rahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie.